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Geleitwort Fastenrundbrief
Liebe Kolpingsschwestern- und Brüder,
in Krisenzeiten des Lebens wird einem oft bewusst, was wirklich wichtig ist. So wurde mir Weihnachten die Botschaft der Menschwerdung Gottes gerade angesichts von Schmerz, Krankheit und körperlicher Schwäche tiefer bewusst. Gott wurde Mensch. Nicht nur die schönen Seiten des Menschseins nahm er an, sondern auch unsere ganze Armut und Schwäche. Als kleines schwaches Kind in der Krippe, als Kind armer Eltern auf der Flucht, als Mensch mit nur geringen Zugängen zum Gesundheitswesen, und- da sind wir nun in der Fasten und Osterzeit- als Mensch, der Ablehnung, Schmerz und einen grausamen Tod erlitten hat.
In Zeiten eigener Schwäche ist der Glaube an diesen solidarischen Gott, der nicht einzig als Superstar im Himmel regiert, tröstlich.
Sehr bewusst wurde mir dieses Mitgehen Jesu angesichts des Sterbens meiner Mutter. Ihr Gesicht, als sie im Sterben lag und keine Luft bekam, während wir darauf warteten, dass die Schwester ihr durch Morphium Erleichterung verschaffte, werde ich nicht so schnell vergessen. Als ich nach ihrem Sterben in die Kapelle des Marienhospitals ging und vor dem großen Kruzifix ein Gebet sprach, hatte Jesus fast den gleichen von Schmerz verzerrten Gesichtsausdruck. Der Künstler hatte schon einen Sterbenden gesehen und eben diese Züge dem Gekreuzigten gegeben.
Auch wenn wir nie befriedigend das Leid in dieser Welt erklären können, so kann es doch ein Trost sein, dass unser Gott alle Schwachheit, alles Leid, ja sogar den Tod auf sich genommen hat, und so mit uns solidarisch geworden ist.
So können auch wir, die wir an diesen Gott glauben solidarisch mit ihm werden, wenn uns die Not der leidenden Mitmenschen nicht kalt lässt.
Für einen Christen bleibt jedoch die Geschichte Jesu nicht bei seinem Tod stehen. Die Apostel berichten über seine Auferstehung und sind so überzeugt davon, dass sie eher ihren eigenen Tod in Kauf nehmen, als diese Auferstehung zu leugnen.
So schenkt uns Jesus die begründete Hoffnung, dass Leid und Tod nicht das Letzte sind, sondern Er uns und unseren lieben Verstorbenen auch Anteil an seiner Auferstehung schenkt. Diese will er uns nicht nur nach unserem Tod schenken, sondern schon in diesem Leben, wenn wir uns vom Bösen abwenden, schauen, wofür es sich wirklich lohnt zu leben, Ihm Platz einräumen in unserem alltäglichen Leben in Gebet, Schriftlesung und Besuch der Gottesdienste.
Wir werden dann sicherlich eine österliche Freude erleben, und erkennen, dass die Worte Jesu wirklich eine Frohe Botschaft sind. So werden wir uns hoffentlich weniger von der Krisenstimmung in unserer Kirche anstecken lassen.
Zwar ist es wichtig, Fehler klar zu benennen und für die Zukunft zu vermeiden, damit die Kirche wieder glaubwürdig wird. Wichtiger aber ist es darüber hinaus das frohmachende an der Botschaft Jesu wieder zu entdecken und zu bezeugen.  Oder gibt es eine ermutigendere und frohmachendere Botschaft als die des Christentums die einem jeden zuspricht: Du bist von Gott gewollt, geliebt und durch Annahme seines Zuspruchs begnadet, was Er Dir im Empfang der Sakramente immer wieder zeigt?
In diesem Sinne wünsche ich Euch eine besinnliche Fastenzeit eine wirklich frohe Osterzeit und ein begeisterndes Pfingstfest:
Euer: Tobias
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Kolpingsfamilie Xanten      seit 1878